Eiszeit am Bodensee/Februar 2021

Wie entstanden die Aufnahmen.


Was war das für ein Wochenende bei uns am Bodensee. Pünktlich zum Wochenende (12.-14.02.2021)

kam die kalte Luft aus Skandinavien und Russland bei uns in der Bodenseeregion an. Der Wind drehte auch wie gewohnt bei solchen Wetterlagen von West auf Ost und war zum Teil auch etwas kräftiger. Da es in den Wochen davor sehr viel Schnee hatte und wir danach mit Tauwetter und viel regen beschert wurden, hat sich der Wasserstand unüblich für diese Jahreszeit relativ hoch eingestellt. Das heißt, das Wasser ist nahe am Ufer und sorgt so für spektakuläre Eisformationen am Westufer. Die Nächte waren bitterkalt am Bodensee. Das Thermometer zeigte bis -10 Grad und im Tagesverlauf, blieben die Temperaturen zwischen -2 und -5 Grad.

Für mich und viele andere Fotografen war das mal wieder der Anlass wundervolle Bilder mit Eis am Bodensee aufzunehmen und als i-Tüpfelchen hatten wir noch das Glück, das statt des typischen Nebels die Sonne uns den ganzen Tag anlachte. Also Kamera raus und fotografieren...


Freitag 12.02.2021, Insel Reichenau


Der Wecker klingelte um halb sieben. Temperaturcheck erbrachte -9 Grad. Endlich darf wieder meine Sündhaft teure Jacke an mich dran. Der Rest wird natürlich auch dick eingepackt und Wasserfesteschuhe angezogen. Die Thermoskanne wird noch mit heißem Kaffee gefüllt. Lippen einbalsamieren und dann kommt auch schon Alex und wir fahren auf die Insel. Die Enttäuschung war zuerst mal groß. Es hatte kein Eis an der üblichen Stelle. Der Ostwind war zu kräftig. In der Nähe des Strandbades fanden wir eine geeignete Stelle. Hier hatte es ein paar Bäume und Büsche am Wasser und einige Treppen mit eingefrorenen Geländer. Die Kamera aus dem Rucksack geholt und auf das noch voll funktionsfähige Stativ gestellt. Es ging nicht lange da waren schon die ersten Wasserspritzer am Stativ und Filter. Es ging sehr schnell und das Stativ war durch das Wasser festgefroren und ich konnte es nicht mehr herausziehen. Auch der Kugelkopf ging immer schwerfälliger. Die Filter konnte ich mit Mühe und Not etwas reinigen aber perfekt ist anders.

1. Kurz vor Sonnenaufgang fand ich die Treppe mit dem Geländer voller Eiszapfen. Ich entschied mich für eine etwas längere Verschlusszeit, da das Wasser kein schönes Wellenbild hatte. Es wirkte einfach nur unruhig. Als ich einen geeigneten Standpunkt gefunden hatte und ich mehrmals dank der gefrorenen Wasserspritzer meine Filter reinigen musste hatte es nach mehreren Anläufen geklappt. Zum Glück hab ich immer Handtücher und Geschirrtücher dabei sowie Mikrofasertücher.


1.


Kamera Canon EOS R5 Objektiv RF15-35mm F2.8 L IS USM Blende 9 Belichtungszeit 10 sec. Brennweite 15.0 mm ISO 100 Stativ Novoflex Trio C2844+CB3II Filter H&Y K-Serie Polfilter CPL64

+ Grauverlauffilter 0,8 Soft


2. Allmählich ging die Sonne auf und es wurde gleich spürbar wärmer. Es hatte -6 Grad. Handschuhe musste ich an diesem Morgen zum Glück nicht anziehen.

Ich sah ein Busch, der voll hing mit Eiszapfen. Die Sonne leuchtete schön die Eiszapfen an, was sehr schön aussah. Das Problem ich stand etwas erhöht auf einer Mauer. Ich stellte das Stativ in das Wasser so das die Kamera ca. 20 cm über der Wasseroberfläche stand und suchte den perfekten Bildausschnitt. Ich wollte unbedingt die erleuchteten Eiszapfen in dem Busch und einen Sonnenstern auf dem Bild haben. Auch hier hatte ich wieder das Problem mit der Reinigung der Wasserspritzer. Ich musste mich auf die Mauer legen, um besser die Kamera zu bedienen. Ein Königreich für ein Schwenkmonitor. Das erleichtert alles ungemein.

Nachdem ich das Bild im Kasten hatte und ich die Kamera wieder nach oben ziehen wollte ist mir das ganze Filtergedöns in das Wasser gefallen. Nun war alles festgefroren aber zum Glück habe ich ein zweites Filterset.

Zu Hause angekommen wurde erst mal alles wieder gereinigt, Akkus geladen und das Stativ komplett auseinander gebaut zum Trocknen damit ich es am nächsten Tag wieder verwenden kann ohne festfrieren.


2.

Kamera Canon EOS R5 Objektiv RF15-35mm F2.8 L IS USM Blende 10 Belichtungszeit 30 sec. Brennweite 15.0 mm ISO 200 Stativ Novoflex Trio C2844+CB3II Filter H&Y K-Serie Polfilter CPL64

+ND64+Grauverlauffilter 0,8 Soft



Samstag 13.02.2021, Therme Konstanz


Der Wecker klingelte wieder um 6:30 Uhr. Der Prozess ist eigentlich identisch zum Vortag. An diesem Tag muss ich nur noch normale Kleidung mitnehmen da ich um 9:30 Uhr bei der Arbeit sein muss.

Ich fuhr mit dem Auto durch den eiskalten morgen (-10 Grad) nach Konstanz zur Therme.


3. Mein Plan die Steinskulpturen am Ufer bei der Therme. Leider war das Wasser doch nicht ganz so hoch, so das kein Eis an den Steintürmen war. Dafür war der Wind deutlich stärker als am Tag zuvor so, dass es herrliche Wellen gab. Ich war zunächst etwas Ratlos da der Vordergrund nicht viel herbrachte und der Himmel wieder Wolkenlos war. Ich lief am Ufer entlang und suchte mir eine geeignete Stelle mit schön viel Eis. Da der Wellengang etwas kräftige war, ging es nicht lange bis mein Stativ wieder eingefroren war und ich meine Filterscheibe fast nicht mehr vom Eis befreien konnte.

Die Sonne ging schön im roten Licht auf und die Wellen peitschten an das Ufer. Ich hatte eine geeignete Stelle gefunden und suchte mir einen Standpunkt das der See gut zu sehen ist, die Welle gut zur Geltung kommt und auch das Eis am Ufer. An diesem Morgen wollte ich die Welle auf den Bildern festhalten. Ich wählte eine Belichtung zwischen 1/5 sec. und 0,5 sec. Ich machte ein paar Aufnahmen mit verschiedenen Standpunkten bis ich das gewünschte im Kasten hatte. An diesem Morgen hatte ich meine Handschuhe an.


3.

Kamera Canon EOS R5

Objektiv RF15-35mm F2.8 L IS USM

Blende 10

Belichtungszeit 0.4 sec.

Brennweite 16.0 mm

ISO 100

Stativ Novoflex Trio C2844+CB3II

Filter H&Y K-Serie Polfilter + Grauverlauffilter 0,9 Soft



Sonntag 14.02.2021, Konstanz, Sipplingen, Gohren, Wasserburg, Immenstaad


Der Wecker klingelte heute etwas früher. Ich musste Alex abholen da wir eine schöne Sonntagstour geplant hatten. Sonnenaufgang in Konstanz und dann ging es an das Ostufer. Wohlwissend das es da nicht so viel Eis hat. Der Morgen startetet wieder mal herrlich. Wir waren gegen sieben am Wasserwerk in Konstanz angekommen und gingen an das Ufer. Der Lorettowald endet dort am Bodenseeufer und es lagen einige Bäume im Wasser und es standen einige kleine Bäume und Büsche im Wasser und dank Ostwind voller Eis. Besagter Ostwind war am Sonntag deutlich milder gestimmt. Die Kamera wurder auf das Stativ gestellt das am Vortag gereinigt und getrocknet wurde und vor das Objektiv die die Filter gebaut.

4. Zum Glück war ich am Vortag kurz an der Stelle um zu schauen wie es mit Eis ausschaut. So wusste ich das es ein Baum gibt der im Wasser liegt und voller Eis hängt. Ich wollte mit leichtem Tele diesen Baum freigestellt fotografieren und die aufgehende Sonne mit auf dem Bild haben. Nachdem wir einen Standort hatten und wir per App (Sun Surveyor) gecheckt haben, wo die Sonne aufgeht, mussten wir abwarten. Die Sonne kam pünktlich und dann ging es sehr schnell. Die störenden Wellen glättete ich mit einer Langzeitbelichtung. Dank Graufilter ist das kein Problem. An diesem Morgen ging es super ohne Handschuhe und das Stativ blieb auch befreit von Eis. Nur die Filter haben ab und zu kleiner Wassertropfen abbekommen. Glücklich ging es dann weiter zum Bäcker und gestärkt auf die andere Seeseite.


4.

Kamera Canon EOS R5

Objektiv RF24-70mm F2.8 L IS USM

Blende 13

Belichtungszeit 20 sec.

Brennweite 48.0 mm

ISO 100

Stativ Novoflex Trio C2844+CB3II

Filter H&Y K-Serie CPL64+

Grauverlauffilter 0,9 Soft



5. Nachdem wir in Sipplingen waren, verschlug es uns nach Gohren. Die Temperatur war mittlerweile bei +1 Grad angelangt. Hier waren wir beide noch nie und könnte sein das wir auch nicht mehr dort hingehen. Bis auf die paar Holzstämme und das viele Treibholz am Ufer bietet sich hier nicht viele Möglichkeiten. Es hatte mehrere Holzstämme mit vielen Eiszapfen. Ich sah einen der aus dem Wasser ragte der fast wie ein Wal aussah. Mit viel Fantasie natürlich. Ich entschied mich für einen tiefen Standpunkt so das die Eiszapfen gut zur Geltung kommen. Ich ging auch sehr nahe heran damit der Stamm eine große Wirkung erzielte. Den Ausschnitt wählte ich so das die Sonne mit Sonnenstern (Blende 13) an dessen Spitze ist. Da es ein sehr hartes Gegenlicht war, entschied ich mich zusätzlich für eine Belichtungsreihe mit drei Aufnahmen die ich dann zu Hause mit Adobe Lightroom Classic zusammenfügte.

Die Aufnahme habe ich ohne Stativ aufgenommen.


5.

Kamera Canon EOS R5

Objektiv EF16-35mm f/2.8L III USM

Blende 13

Belichtungszeit 1/160, 1/125, 1/60

Brennweite 16.0 mm

ISO 100

Freihand

Filter H&Y K-Serie Polfilter + Grauverlauffilter 0,6 Soft

HDR aus drei Aufnahmen


Nachdem wir Gohren den Rücken kehrten, ging es nach Kressbronn zum Mittagessen. Nach der Stärkung fuhren wir zum Malerwinkel in Wasserburg. Langsam zogen leichte Wolken auf und wir machten die typischen Aufnahmen. Im Vordergrund die Kirche von Wasserburg mit dem Pfänder im Hintergrund.

Den Tagesabschluss gestalteten wir in Immenstaad. Wir kamen kurz vor Sonnenuntergang dort an. Etwas hektisch wurde noch mal alles aufgebaut umm die Farbenpracht am Himmel festzuhalten.

Schön war noch das wir Sebastian Martin getroffen haben. Es war noch ein schöner Plausch mit Abstand.


Ein Ereignis reiches Wochenende ging somit zu Ende und wir waren völlig geplättet.

Die erste Auswertung zeigte das viele gute Bilder entstanden und wir endlich mal wieder schöne Winterbilder vom See haben die wir für Kalender und ähnliches verwenden können. So ein Winter kommt ja nicht jedes Jahr vor.


Ich bin Glücklich.


Stefan Arendt


PS. Ich nutzte dieses Wochenende um das Canon RF 100-500/4,5-7,1 L IS USM zu testen.

Der Erfahrungsbericht folgt in ein paar Tagen.

Links:

Alexander Schnurer

Sebastian Martin (Instagram)

Making of Videos:


Reichenau 12.02.2021:

Konstanz 13.02.2021


Konstanz 14.02.2021


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